WERKSTATT DIGITAL #1: Design ist mehr als „sieht gut aus“

Wie entsteht eigentlich eine digitale Beteiligungsplattform? In unserer neuen Serie WERKSTATT DIGITAL nehmen wir euch in den kommenden Wochen mit hinter die Kulissen von ihmert.digital. Im Mittelpunkt steht dabei eines unserer derzeit größten Projekte: die neue Beteiligungsplattform auf wir-in-ihmert.de. Wir zeigen, worüber wir diskutieren, was wir ausprobieren, warum manches wieder verworfen wird – und wie aus vielen einzelnen Entscheidungen Schritt für Schritt eine Plattform für unser Dorf entsteht.

Wenn von Webdesign die Rede ist, denken viele vermutlich zuerst an Farben, Schriftarten, Bilder und die Frage, ob eine Webseite am Ende modern und ansprechend aussieht. All das gehört natürlich dazu. In den vergangenen Wochen haben wir allerdings gelernt: Design beginnt sehr viel früher.

Bei der Entwicklung von wir-in-ihmert.de beschäftigen uns deshalb Fragen, die auf den ersten Blick erstaunlich banal wirken: Wo befindet sich ein Button? Brauchen wir ihn überhaupt? Was muss ein Besucher als Erstes sehen? Welche Funktionen gehören direkt auf die Startseite und welche dürfen sich im Menü verstecken? Wie viele Möglichkeiten bieten wir gleichzeitig an, ohne dass aus Auswahl irgendwann Unübersichtlichkeit wird?

Über solche Fragen kann man erstaunlich lange diskutieren.

Drei Perspektiven auf eine Plattform

An der Entwicklung arbeiten derzeit im Wesentlichen drei Seiten zusammen: unser Projektteam von ihmert.digital, die mit der technischen Umsetzung beauftragte Entwickleragentur und ein externer Designer, der eng mit den Entwicklern zusammenarbeitet.

Dabei bringt jeder eine etwas andere Perspektive mit.

Wir als Projektteam kennen vor allem das Dorf, unsere Vereinsarbeit und die Anforderungen, die sich daraus ergeben. Wir wissen, wie Informationen in Ihmert verbreitet werden, welche Rückmeldungen wir bekommen und an welchen Stellen wir uns bessere digitale Möglichkeiten wünschen.

Der Designer schaut dagegen mit einem anderen Blick auf unsere Ideen. Wie lassen sich Inhalte strukturieren? Welche Elemente braucht eine Seite wirklich? Wo kann ein Button verschwinden, weil es eine einfachere Lösung gibt? Wo fehlt dagegen Orientierung? Und wie gelangt jemand möglichst selbstverständlich von einem Punkt zum nächsten?

Die Entwickler wiederum müssen dafür sorgen, dass aus Ideen und Entwürfen am Ende ein System wird, das technisch tatsächlich funktioniert.

Das klingt zunächst nach einer klaren Aufgabenteilung. In der Praxis verschwimmen die Grenzen allerdings ziemlich schnell.

Entwerfen, diskutieren, ändern – und manchmal wieder von vorne

Gestartet sind wir mit eigenen Skizzen und teilweise schon recht konkreten Vorstellungen davon, welche Inhalte und Funktionen wir auf wir-in-ihmert.de benötigen. Gerade bei den zentralen Bereichen der Plattform hatten wir bereits ziemlich genaue Ideen.

Seitdem wandern Entwürfe hin und her. Vieles läuft per E-Mail: Ein neuer Stand kommt bei uns an, wird im Projektteam angesehen, kommentiert und diskutiert. Anschließend gehen unsere Anmerkungen zurück. Zwischendurch treffen wir uns in Videokonferenzen, schauen gemeinsam auf die aktuellen Entwürfe und besprechen offene Fragen direkt am Bildschirm.

Und dabei wird verändert. Ziemlich viel sogar.

Manche Idee sieht in einer ersten Skizze großartig aus und verliert ihren Reiz, sobald man sie im Zusammenhang mit der gesamten Plattform betrachtet. An anderer Stelle kommt vom Designer oder Entwickler der Hinweis, dass etwas einfacher gelöst werden könnte. Und manchmal halten wir trotz anderer Möglichkeiten ganz bewusst an einer Idee fest, weil wir aus unserer Arbeit vor Ort wissen, dass sie für Ihmert wichtig ist.

Genau dieses Hin und Her ist inzwischen ein wesentlicher Teil der Entwicklung geworden.

Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll

Eine der vielleicht wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Wochen war für uns, dass eine gute digitale Plattform nicht dadurch besser wird, dass sie möglichst viel kann.

Gerade zu Beginn hatten wir viele Ideen, die technisch spannend waren. Funktionen, Verknüpfungen und Möglichkeiten, bei denen schnell der Gedanke entstand: Wenn das technisch machbar ist – warum sollten wir es dann nicht machen?

Mit jedem Entwurf hat sich unser Blick darauf etwas verändert.

Heute fragen wir deutlich häufiger: Welchen konkreten Mehrwert hat diese Funktion für unser Dorf?

Hilft sie dabei, eine Idee einzubringen? Macht sie Informationen leichter zugänglich? Unterstützt sie unsere Vereinsarbeit? Vereinfacht sie einen bislang komplizierten Weg? Oder ist sie am Ende vor allem deshalb interessant, weil sie technisch möglich ist?

Diese Fragen haben dazu geführt, dass einige unserer ursprünglichen Ideen wieder verschwunden sind. Die Plattform ist dadurch an manchen Stellen sogar einfacher geworden. Aus unserer Sicht aber gleichzeitig besser.

Manchmal steckt viel Arbeit in einem kleinen Detail

Natürlich können wir nicht für jede einzelne Entscheidung unendlich viel Zeit aufwenden. Auch die Stunden unseres Designers sind bewusst begrenzt. Seine Aufgabe ist nicht, monatelang jeden einzelnen Pixel unserer Plattform zu perfektionieren. Vielmehr soll seine Erfahrung dabei helfen, die grundsätzliche Gestaltung und Nutzerführung in die richtige Richtung zu bringen.

Umso intensiver versuchen wir, diese gemeinsame Zeit zu nutzen.

Dass digitales Arbeiten dabei durchaus Vorteile hat, zeigte sich zuletzt während der Urlaubszeit. Weil sich eine wichtige Abstimmung sonst um einige Wochen verschoben hätte, fand ein gemeinsamer Videocall kurzerhand aus dem Urlaub statt. Ob Büro, heimischer Schreibtisch oder Ferienhaus – manchmal reicht ein Bildschirm, um gemeinsam die nächsten offenen Punkte zu klären.

Am Ende sind es genau diese vielen kleinen Entscheidungen, aus denen nach und nach etwas Großes entsteht.

Denn gutes Design soll natürlich auch gut aussehen. Vor allem aber soll es dafür sorgen, dass eine Plattform verständlich ist, Orientierung bietet und sich selbstverständlich benutzen lässt.

Und damit sind wir bei einer Frage, die uns während der Entwicklung inzwischen fast täglich begleitet:

Wie soll es sich eigentlich anfühlen, wir-in-ihmert.de zu benutzen?

Hinter dieser zunächst einfachen Frage steckt ein ganzes Themenfeld – und eines, das bei der Entwicklung moderner digitaler Angebote eine entscheidende Rolle spielt.

Genau darum geht es im zweiten Teil unserer WERKSTATT DIGITAL: um User Experience – kurz UX – und darum, warum das Benutzererlebnis für uns mindestens genauso wichtig ist wie Technik und Gestaltung.


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