WERKSTATT DIGITAL #3: Smartphone first – aber bitte keine App

Das Smartphone ist längst der wichtigste Zugang zur digitalen Welt. Nachrichten lesen, Veranstaltungen suchen, schnell etwas nachschauen, einen Kommentar schreiben oder einen Link öffnen – vieles passiert heute ganz selbstverständlich auf dem kleinen Bildschirm in der Hosentasche.

Für uns war deshalb relativ früh klar: Wenn wir über die neue Beteiligungsplattform wir-in-ihmert.de nachdenken, müssen wir das Smartphone von Anfang an mitdenken.

Oder genauer gesagt: Smartphone first.

Das klingt zunächst so, als wäre der nächste logische Schritt eine eigene App für Ihmert.

Ist er aber nicht.

Warum eigentlich keine App?

Mit dieser Frage haben wir uns tatsächlich beschäftigt. Und gerade im Austausch mit dem Bereich Sozioinformatik der Universität Siegen wurde für uns noch einmal deutlich, dass eine eigene App in unserem Kontext nicht automatisch die beste oder modernste Lösung wäre.

Denn eine App bringt zunächst einmal eine zusätzliche Hürde mit sich.

Man muss von ihr erfahren. Man muss sie im App Store suchen. Man muss sie herunterladen und installieren. Vielleicht muss man ein Benutzerkonto anlegen, Berechtigungen bestätigen und irgendwann Updates installieren.

Und vor all dem steht eine ziemlich entscheidende Frage:

Ist mir das Angebot wichtig genug, dass ich dafür eine weitere App auf meinem Smartphone installieren möchte?

Für eine Anwendung, die man täglich benutzt, mag die Antwort schnell „Ja“ lauten. Bei einer lokalen Beteiligungsplattform sieht das anders aus.

Vielleicht landet jemand über einen Link in einer WhatsApp-Gruppe bei einer neuen Dorfidee. Vielleicht wird ein Projekt über Social Media geteilt. Vielleicht möchte jemand lediglich wissen, was am Wochenende in Ihmert los ist. Oder jemand hat gerade spontan eine Idee und möchte sie loswerden.

Genau in diesem Moment möchten wir möglichst wenig zwischen dem ersten Interesse und der eigentlichen Aktion platzieren.

Jeder zusätzliche Schritt ist eine kleine Hemmschwelle

Damit landen wir wieder bei einem Gedanken aus dem zweiten Teil unserer WERKSTATT DIGITAL: Mitmachen soll möglichst einfach sein.

Eine zusätzliche Installation ist eine Hemmschwelle. Eine verpflichtende Registrierung kann eine sein. Ein unnötiger Klick ebenfalls.

Keine dieser Hürden ist für sich genommen besonders groß. Aber sie summieren sich.

Bei einer Webseite ist der Einstieg denkbar einfach: Link antippen – und man ist da.

Es spielt keine Rolle, ob jemand ein iPhone, ein Android-Smartphone, ein Tablet oder einen klassischen Computer benutzt. Es muss nichts installiert werden und ein geteilter Link führt unmittelbar zu genau dem Inhalt, um den es gerade geht.

Gerade für eine Plattform, die möglichst viele unterschiedliche Menschen im Dorf erreichen soll, ist das für uns ein entscheidender Vorteil.

Eine moderne Webseite darf sich trotzdem wie eine App anfühlen

Keine App zu entwickeln bedeutet allerdings nicht, beim Nutzungserlebnis Abstriche zu machen.

Im Gegenteil.

Moderne Webseiten können heute vieles von dem bieten, was wir intuitiv mit Apps verbinden: klare Bedienelemente, große Schaltflächen, kurze Wege, dynamische Inhalte und eine Navigation, die speziell auf die Bedienung mit dem Smartphone zugeschnitten ist.

Genau deshalb betrachten wir die mobile Darstellung von wir-in-ihmert.de nicht einfach als kleinere Version der Desktop-Seite.

Auf einem großen Bildschirm ist viel Platz. Auf einem Smartphone nicht. Dort muss stärker entschieden werden: Was ist wirklich wichtig? Welche Information muss sofort sichtbar sein? Was darf hinter einem Menü verschwinden? Welche Elemente funktionieren mit einer Maus hervorragend, mit einem Daumen aber vielleicht überhaupt nicht?

Plötzlich wird jeder Zentimeter Bildschirmfläche wertvoll.

Weniger Platz zwingt zu besseren Entscheidungen

Das ist manchmal anstrengend – hat aber auch einen interessanten Nebeneffekt.

Das Smartphone zwingt uns zur Reduktion.

Auf einem großen Bildschirm lässt sich schnell noch ein zusätzlicher Text, ein weiterer Button oder ein zusätzlicher Informationsblock unterbringen. Auf dem Smartphone funktioniert das nicht lange. Irgendwann wird aus Information schlicht Unübersichtlichkeit.

Deshalb denken wir viele Bereiche inzwischen vom kleinen Bildschirm aus.

Was ist die wichtigste Botschaft? Was ist die wichtigste Aktion? Was braucht jemand an genau dieser Stelle – und was eben nicht?

Wenn diese Fragen für das Smartphone beantwortet sind, profitiert davon häufig auch die große Bildschirmansicht.

Denn Übersichtlichkeit ist schließlich kein Nachteil, nur weil mehr Platz vorhanden wäre.

Die beste Technik ist manchmal die, die man gar nicht bemerkt

Vielleicht steckt darin auch eine der größeren Erkenntnisse unseres Projekts.

„Digital“ bedeutet für uns nicht, möglichst viele technische Möglichkeiten einzusetzen. Eine gute digitale Lösung sollte im besten Fall genau das Gegenteil tun: Technik in den Hintergrund treten lassen.

Niemand soll sich Gedanken darüber machen müssen, welches System hinter wir-in-ihmert.de arbeitet oder ob er gerade eine klassische Webseite, eine Webanwendung oder irgendetwas dazwischen benutzt.

Der Link soll funktionieren. Die Seite soll sich gut anfühlen. Die gesuchte Information soll da sein. Und wer mitmachen möchte, soll es möglichst einfach können.

Keine Installation. Kein App Store. Keine unnötige Hürde.

Einfach öffnen und loslegen.

Und wenn das am Ende auf dem Smartphone ein bisschen mehr nach App als nach klassischer Webseite aussieht, haben wir vermutlich einiges richtig gemacht.

Im nächsten Teil unserer WERKSTATT DIGITAL bleiben wir zunächst noch an der Oberfläche – allerdings bei einem Thema, über das wir überraschend viel diskutiert haben: Was muss ein Besucher eigentlich in den ersten Sekunden verstehen?

Warum wir Texte streichen, Botschaften zuspitzen und weshalb bei einer Webseite manchmal weniger zu sagen deutlich mehr Arbeit macht, darum geht es in WERKSTATT DIGITAL #4.


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