Sechs Teile WERKSTATT DIGITAL. Wir haben über Design gesprochen, über User Experience, Smartphones, Texte, technische Entwicklung und über erstaunlich viele kleine Entscheidungen auf dem Weg zu wir-in-ihmert.de.
Über eine Gruppe haben wir dabei bisher erstaunlich wenig gesprochen.
Die wichtigste.
Die Menschen, die wir-in-ihmert.de irgendwann benutzen sollen.
Denn wir können diskutieren, planen, zeichnen, programmieren und wieder verwerfen. Wir können Buttons verschieben und Texte so lange kürzen, bis jedes Wort sitzt.
Ob daraus am Ende eine gute Plattform geworden ist, können wir selbst allerdings nur sehr eingeschränkt beurteilen.
Wir kennen unsere Plattform inzwischen viel zu gut
Das klingt zunächst etwas merkwürdig.
Schließlich sollte gerade das Projektteam am besten wissen, wie die eigene Plattform funktioniert.
Genau darin liegt aber das Problem.
Wenn man sich über Monate mit einem Projekt beschäftigt, entsteht irgendwann eine Art Betriebsblindheit. Wir wissen, was sich hinter einem Begriff verbirgt. Wir kennen die geplanten Abläufe. Wir wissen, wo wir klicken müssen und was anschließend passiert.
Wenn wir einen Button sehen, kennen wir bereits sein Ziel.
Ein Mensch, der wir-in-ihmert.de zum ersten Mal öffnet, weiß all das nicht.
Und genau dieser erste Blick ist für uns am Ende viel wertvoller als der hundertste eigene.
Nicht erklären. Beobachten.
Erste Entwürfe, Skizzen und Texte haben wir deshalb bereits Menschen außerhalb unseres Projektteams gezeigt und um Rückmeldungen gebeten.
Der wirklich spannende Schritt kommt aber noch.
Sobald die Plattform weit genug entwickelt ist, müssen Menschen sie tatsächlich benutzen.
Und dann sollten wir möglichst wenig erklären.
Denn ein Satz wie „Du musst erst hier klicken und danach dort“ ist bei einem Test eigentlich schon eine ziemlich interessante Erkenntnis.
Wenn wir erklären müssen, wie etwas funktioniert, war es offenbar nicht selbstverständlich genug.
Das Ziel eines solchen Tests ist deshalb nicht, jemandem wir-in-ihmert.de vorzuführen. Viel interessanter ist zu beobachten:
Findet jemand seinen Weg selbst?
Versteht er die Begriffe, die für uns längst selbstverständlich geworden sind?
Erkennt er, wo er mitmachen kann?
Und was passiert an den Stellen, an denen er etwas völlig anderes tut, als wir erwartet haben?
Gerade dort können die wertvollsten Erkenntnisse entstehen.
Fehler sind in diesem Moment etwas Gutes
Natürlich wünschen wir uns, dass unser Konzept funktioniert.
Trotzdem wäre es wahrscheinlich das schlechteste Ergebnis eines Tests, wenn Menschen Schwierigkeiten haben – und wir sie anschließend ignorieren, weil wir unsere Lösung eigentlich ganz gelungen finden.
Ein Prototyp darf scheitern.
Ein Button darf an der falschen Stelle stehen. Ein Text darf missverständlich sein. Ein Ablauf darf komplizierter sein, als wir gedacht haben.
Genau deshalb testet man, bevor etwas fertig ist.
Was auf einem Bildschirm in unserem Projektteam völlig logisch erscheint, kann für jemand anderen unverständlich sein. Und eine Funktion, über die wir lange nachgedacht haben, ist vielleicht am Ende überhaupt nicht so wichtig wie eine Kleinigkeit, die wir selbst beinahe übersehen hätten.
Dann müssen wir wieder ändern.
Das gehört dazu.
Fertig ist nicht dasselbe wie fertig
Irgendwann wird wir-in-ihmert.de online gehen.
Dann werden Design und Entwicklung abgeschlossen sein, Texte und Bilder ihren Platz gefunden haben und die wichtigsten Funktionen zur Verfügung stehen.
Technisch betrachtet könnte man dann sagen:
Fertig.
Für uns wäre das allerdings die falsche Vorstellung.
Denn eine Beteiligungsplattform kann eigentlich gar nicht am Tag ihrer Veröffentlichung fertig sein.
Erst im Alltag wird sich zeigen, welche Bereiche besonders gut angenommen werden. Welche Funktionen Menschen tatsächlich nutzen. Wo Fragen entstehen. Was fehlt. Was vielleicht viel weniger wichtig ist, als wir heute glauben.
Eine Plattform, die Beteiligung ermöglichen soll, muss deshalb selbst bereit sein, sich weiterzuentwickeln.
Auch nach dem Start.
Die wichtigste Funktion findet außerhalb des Bildschirms statt
Und vielleicht ist das der entscheidende Punkt dieser ganzen Serie.
Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit einer digitalen Plattform. Mit Technik, Gestaltung, Benutzerführung, Smartphone-Ansichten und vielen Details.
Aber unser eigentliches Ziel ist gar nicht digital.
Wir möchten, dass jemand eine Idee für Ihmert hat – und sie nicht für sich behält.
Dass andere diese Idee sehen und sagen: Das finde ich gut.
Dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Dass aus einem Gedanken vielleicht ein Projekt entsteht.
Dass jemand, der bisher nur zugeschaut hat, irgendwann mitmacht.
Und dass am Ende irgendwo in Ihmert etwas entsteht, sich verändert oder besser wird.
Dann hat die Plattform ihren Zweck erfüllt.
Vom Bildschirm zurück ins Dorf
Vielleicht ist genau das die schönste Vorstellung für wir-in-ihmert.de:
Eine digitale Plattform, deren eigentlicher Erfolg sich nicht digital messen lässt.
Natürlich werden wir sehen können, wie viele Menschen eine Seite besuchen, wie viele Ideen eingereicht oder wie viele Beiträge kommentiert werden.
Aber die spannendere Frage wird eine andere sein:
Was entsteht daraus?
Wenn eine online eingereichte Idee irgendwann zu einem echten Projekt wird, wenn sich darüber Menschen finden, die vorher noch nicht miteinander gearbeitet haben, oder wenn jemand durch die Plattform erstmals den Weg in die aktive Dorfgestaltung findet, dann ist aus ein paar Zeilen Code etwas sehr Reales geworden.
Genau deshalb investieren wir gerade so viel Zeit in all die Details, über die wir in den vergangenen sechs Teilen geschrieben haben.
Nicht für eine möglichst moderne Webseite.
Nicht für möglichst viele Funktionen.
Und auch nicht für Digitalisierung um der Digitalisierung willen.
Sondern für ein Werkzeug, das dabei helfen soll, etwas zu stärken, das überhaupt nicht digital ist:
Gemeinschaft.
Damit endet unsere WERKSTATT DIGITAL – die Arbeit an wir-in-ihmert.de allerdings noch lange nicht.
In den kommenden Wochen werden aus immer mehr Skizzen echte Funktionen, aus Entwürfen konkrete Seiten und aus unserem technischen Prototypen Stück für Stück die Plattform, die wir uns in den vergangenen Monaten vorgestellt haben.
Und irgendwann kommt der Moment, auf den wir besonders gespannt sind:
Wir geben sie aus der Hand.
Dann seid ihr dran.

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