WERKSTATT DIGITAL #4: Die Kunst der Reduktion

Drei Sekunden für eine Botschaft

Gemeinsam
unser Dorf
gestalten.

Drei kurze Zeilen. Wenige Wörter. Und erstaunlich viel Arbeit.

Wer eine Webseite öffnet, liest sie normalerweise nicht von oben bis unten wie einen Zeitungsartikel. Der erste Blick dauert nur wenige Augenblicke. Ein Bild, eine Überschrift, vielleicht ein kurzer Satz – und schon entsteht ein Eindruck davon, worum es hier geht.

Für die Entwicklung von wir-in-ihmert.de bedeutet das eine ziemlich schwierige Aufgabe: Was wollen wir eigentlich in diesen ersten Sekunden sagen?

Denn zu erzählen hätten wir genug.

Das Problem mit den vielen wichtigen Dingen

Wir könnten erklären, wer „Wir in Ihmert“ ist. Wir könnten über unsere Projekte berichten, Beteiligungsmöglichkeiten vorstellen, auf Veranstaltungen hinweisen, unsere Ziele beschreiben und natürlich erklären, was die neue Plattform alles kann.

Das Problem dabei: Wenn alles wichtig ist, ist irgendwann nichts mehr wichtig.

Gerade auf der Startseite haben wir deshalb in den vergangenen Wochen immer wieder Texte geschrieben, verschoben, gekürzt – und teilweise komplett gestrichen.

Dabei gab es einen interessanten Effekt: Einzelne Texte gefielen uns für sich genommen ausgesprochen gut. Erst im Zusammenspiel wurde deutlich, dass wir manche Botschaft gleich mehrfach erzählten.

Da stand sinngemäß an einer Stelle, dass wir gemeinsam Ideen entwickeln, Projekte umsetzen und unser Dorf gestalten wollen. Nur wenige Zentimeter weiter erklärten wir dann erneut, dass man Ideen einbringen, Projekte unterstützen und das Dorf stärken könne.

Alles richtig.

Aber eben auch: zweimal fast dasselbe.

Weniger Text bedeutet nicht weniger Inhalt

Texte zu kürzen klingt zunächst nach einer einfachen Aufgabe. Ein paar Sätze löschen, fertig.

In der Praxis ist häufig das Gegenteil der Fall.

Denn je weniger Platz eine Botschaft bekommt, desto genauer muss man wissen, was man eigentlich sagen möchte.

Bei uns hat sich daraus für den zentralen Bereich der neuen Startseite ein sehr einfacher Satz entwickelt:

Gemeinsam
unser Dorf
gestalten.

Er soll nicht erklären, welche technischen Funktionen die Plattform besitzt. Er zählt keine Projekte auf und beschreibt auch nicht ausführlich unseren Verein.

Er soll zunächst nur vermitteln, worum es im Kern geht.

Um Gemeinschaft. Um Ihmert. Und darum, nicht nur zuzuschauen, sondern selbst etwas zu gestalten.

Die Details dürfen danach kommen.

Eine Webseite braucht eine Reihenfolge

Genau das ist eine weitere Erkenntnis aus der bisherigen Arbeit: Gute Inhalte brauchen nicht nur die richtigen Worte, sondern auch eine Reihenfolge.

Was muss jemand sofort wissen?

Was wird erst interessant, wenn er ein Stück weiterscrollt?

Und welche Information muss überhaupt nicht auf die Startseite, weil sie an einer anderen Stelle viel besser aufgehoben ist?

Das klingt zunächst nach Textarbeit, ist aber gleichzeitig eine Designfrage. Größe, Position, Abstand, Bilder und Farben bestimmen mit darüber, welche Information wir zuerst wahrnehmen und welcher wir weniger Aufmerksamkeit schenken.

Eine große Überschrift sagt: Schau zuerst hierhin.

Ein auffälliger Button sagt: Hier kannst du etwas tun.

Ein ruhigerer Bereich weiter unten sagt dagegen vielleicht: Wenn du mehr wissen möchtest, findest du hier die Details.

Gestaltung und Inhalt lassen sich deshalb kaum voneinander trennen.

Schreiben aus Sicht des Besuchers

Für uns als Projektteam ist das manchmal gar nicht so einfach.

Wir beschäftigen uns seit Monaten intensiv mit wir-in-ihmert.de. Wir kennen die Hintergründe, die Funktionen, unsere Überlegungen und die vielen kleinen Entscheidungen, die darin stecken.

Und natürlich möchten wir am liebsten möglichst viel davon erklären.

Nur kommt niemand auf unsere Startseite, weil er zunächst unsere komplette Projektgeschichte lesen möchte.

Ein Besucher kommt mit seinem eigenen Anliegen.

Vielleicht möchte er wissen, was gerade im Dorf passiert. Vielleicht interessiert ihn ein Projekt. Vielleicht möchte er Mitglied werden. Vielleicht hat er eine Idee. Vielleicht schaut er auch nur neugierig vorbei.

Unsere Aufgabe ist deshalb nicht, möglichst schnell alles zu erzählen, was wir wichtig finden. Unsere Aufgabe ist zunächst, Orientierung zu geben und Interesse zu wecken.

Das erfordert manchmal erstaunlich viel Disziplin.

Jedes Wort muss seinen Platz verdienen

Inzwischen stellen wir uns bei vielen Texten deshalb eine einfache Frage:

Brauchen wir diesen Satz wirklich?

Nicht jeder Text muss maximal kurz sein. Wer sich über ein Projekt informieren möchte, darf selbstverständlich ausführliche Informationen bekommen. Wer Hintergründe sucht, soll sie finden.

Aber nicht alles gehört überall hin.

Gerade die ersten Sekunden einer Webseite sind wertvoll. Dort wollen wir niemanden mit Informationen überfordern, sondern möglichst schnell ein Gefühl vermitteln:

Hier geht es um Ihmert. Hier passiert etwas. Und hier kann ich mitmachen.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Schwierigkeit guter digitaler Kommunikation: nicht möglichst viel zu sagen, sondern im richtigen Moment das Richtige.

Bis ein Satz so einfach wirkt, braucht es manchmal erstaunlich viele komplizierte Diskussionen.

Und selbst der beste Text und das schönste Design bleiben am Ende zunächst einmal ein Entwurf. Irgendwann muss daraus etwas entstehen, das tatsächlich funktioniert.

Genau an dieser Stelle treffen bei wir-in-ihmert.de zwei Welten besonders unmittelbar aufeinander.

Im fünften Teil unserer WERKSTATT DIGITAL geht es deshalb um Design und Entwicklung – und um die Frage, wie aus Skizzen, Ideen und Gestaltung am Ende eine funktionierende Plattform wird.


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