In den ersten vier Teilen unserer WERKSTATT DIGITAL haben wir viel darüber geschrieben, was Menschen später von wir-in-ihmert.de sehen und erleben sollen: Gestaltung, Benutzererlebnis, Smartphone-Nutzung und die richtigen Inhalte an der richtigen Stelle.
Aber irgendwann kommt der Moment, an dem all die Skizzen, Texte und Ideen tatsächlich funktionieren müssen.
Ein Button soll schließlich nicht nur gut aussehen. Wenn man darauf klickt, muss etwas passieren.
Und damit sind wir bei der technischen Entwicklung.
Ein Prototyp, der ausdrücklich nicht schön sein muss
Einer der wichtigsten Schritte der vergangenen Monate war für uns die Entwicklung eines ersten technischen Prototypen.
Wer dabei an eine fast fertige Version von wir-in-ihmert.de denkt, dürfte allerdings enttäuscht sein. Dieser Prototyp soll gar nicht schön aussehen. Farben, perfekte Abstände, Bilder oder ausgefeilte Texte spielen dort zunächst kaum eine Rolle.
Seine Aufgabe ist eine völlig andere:
Er soll zeigen, ob unsere Idee technisch funktioniert.
Denn hinter einer Plattform wie wir-in-ihmert.de arbeiten verschiedene Komponenten zusammen. Informationen werden eingegeben, gespeichert, an anderer Stelle wieder ausgegeben und teilweise zwischen unterschiedlichen Funktionen ausgetauscht.
Für uns geht es in dieser Phase deshalb um Fragen wie: Funktionieren die vorgesehenen technischen Bausteine miteinander? Können die verschiedenen Komponenten miteinander kommunizieren? Lassen sich die Abläufe, die wir auf Papier geplant haben, technisch tatsächlich so abbilden?
Erst wenn das zuverlässig funktioniert, lohnt es sich, daraus Stück für Stück die Plattform zu bauen, die später alle sehen sollen.
Design und Entwicklung sind keine getrennten Welten
Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Reihenfolge sei einfach: Der Designer gestaltet eine Seite und anschließend baut der Entwickler sie nach.
So funktioniert unsere Zusammenarbeit allerdings nicht.
Denn Design und technische Entwicklung beeinflussen sich gegenseitig.
Eine gestalterisch elegante Idee kann technisch unnötig kompliziert sein. Für eine geplante Funktion gibt es vielleicht eine viel einfachere Lösung. Manchmal stellt der Entwickler eine Frage, die dazu führt, dass wir einen ganzen Ablauf noch einmal überdenken. An anderer Stelle zeigt der Designer, dass sich mehrere technische Möglichkeiten durch eine bessere Nutzerführung auf eine einzige, verständliche Aktion reduzieren lassen.
Und dann kommt noch unsere Perspektive als Projektteam hinzu.
Wir wissen vielleicht nicht immer, welche technische Lösung die eleganteste ist. Dafür wissen wir ziemlich genau, wie unsere Vereinsarbeit funktioniert und welche Anforderungen sich aus dem Alltag im Dorf ergeben.
Genau aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln entstehen häufig die besten Lösungen.
Nicht jeder muss alles entscheiden
Das bedeutet auch, Verantwortung abzugeben.
Bei tiefgreifenden technischen Entscheidungen verlassen wir uns auf die Erfahrung unserer Entwickler. Wir müssen nicht entscheiden, wie eine bestimmte Funktion im Hintergrund programmiert wird oder welche technische Lösung dafür am sinnvollsten ist.
Umgekehrt gibt es Punkte, bei denen wir sehr klare Vorstellungen haben.
Manchmal kommt dann der Hinweis: Man könnte das doch auch anders lösen.
Und unsere Antwort lautet trotzdem: Nein, genau das ist uns wichtig.
Nicht, weil wir es technisch besser wissen. Sondern weil hinter manchen Entscheidungen Erfahrungen aus vielen Jahren Vereinsarbeit stecken. Was auf dem Papier vielleicht unnötig oder ungewöhnlich wirkt, kann im Alltag eines Dorfes plötzlich sehr sinnvoll sein.
Das funktioniert allerdings nur, wenn man miteinander spricht – und bereit ist, die Perspektive des anderen ernst zu nehmen.
Aus einer wilden Idee wird eine bessere Lösung
Genau das macht die Zusammenarbeit für uns so wertvoll.
Wir können mit einer zunächst ziemlich wilden Idee um die Ecke kommen. Designer oder Entwickler sagen dann vielleicht nicht einfach „geht“ oder „geht nicht“, sondern stellen die entscheidenden Fragen:
Was wollt ihr damit eigentlich erreichen? Braucht es dafür wirklich diese Funktion? Was passiert, wenn jemand an dieser Stelle etwas anderes macht als erwartet? Könnte man denselben Zweck nicht deutlich einfacher erreichen?
Manchmal verändert sich unsere Idee dadurch komplett.
Manchmal wird sie nur ein kleines bisschen besser.
Und manchmal stellen wir gemeinsam fest, dass die ursprüngliche Idee tatsächlich die richtige war.
Es geht also weniger darum, wer am Ende Recht hat. Es geht darum, aus unterschiedlichen Perspektiven eine Lösung zu entwickeln, die technisch funktioniert und gleichzeitig zu unserem Projekt passt.
Vertrauen ist ein ziemlich wichtiger Baustein
Dass dieser Austausch so offen funktioniert, liegt auch daran, dass unsere Zusammenarbeit mit der Entwickleragentur nicht erst mit wir-in-ihmert.de begonnen hat.
Schon bei unserem vorherigen Projekt haben wir gemerkt, wie wertvoll kurze Wege und ein vertrauensvoller Umgang miteinander sind. Inzwischen kennt die Agentur unsere Arbeitsweise und unsere manchmal etwas ambitionierten Ideen – und wir können die technischen Einschätzungen auf der anderen Seite gut einordnen.
Ähnliches gilt für die Zusammenarbeit mit dem Designer, der eng mit der Entwicklung verbunden ist. Gestaltung entsteht dadurch nicht losgelöst von der späteren technischen Umsetzung.
Und manchmal merkt man auch, dass ein Projekt auf der anderen Seite nicht einfach nur als weiterer Auftrag gesehen wird. Wir erleben immer wieder ein echtes Interesse an unserer Idee, an der ehrenamtlichen Arbeit dahinter und daran, gemeinsam etwas Gutes daraus zu machen.
Das ist nicht selbstverständlich – und hilft einem Projekt wie diesem enorm.
Irgendwann muss jemand draufklicken
Am Ende können Projektteam, Designer und Entwickler allerdings noch so lange diskutieren.
Wir kennen irgendwann jeden Button. Wir wissen, was sich hinter jedem Menüpunkt verbirgt. Wir verstehen, warum eine Funktion genau dort sitzt, wo sie sitzt.
Das hat einen entscheidenden Nachteil:
Wir sind irgendwann die denkbar schlechtesten Testpersonen für unsere eigene Plattform.
Denn ob wir-in-ihmert.de wirklich verständlich und intuitiv funktioniert, entscheidet sich nicht daran, ob wir selbst damit zurechtkommen.
Es entscheidet sich dann, wenn Menschen die Plattform benutzen, die nicht an ihrer Entwicklung beteiligt waren.
Genau darum geht es im sechsten und letzten Teil unserer WERKSTATT DIGITAL: Warum wir irgendwann aufhören müssen, unsere eigene Plattform zu erklären – und anfangen müssen zu beobachten, ob andere sie auch ohne Erklärung verstehen.

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